Held*innenreise Constanze: Das Gold liegt in dir

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Held*innenreise Constanze (49): Beruflicher Wechsel und Neuanfang

Stell dir vor, du findest ein Unternehmen nach deinen Wünschen, in dem Wertschätzung und ein achtsames Miteinander an erster Stelle stehen. Und dann stellst du fest, dass mit diesem beruflichen Wechsel deine Held*innenreise erst so richtig anfängt. Das ist Constanzes Geschichte, und sie erzählt sie hier. Sie musste sich zuerst innerlich öffnen, um das Gold im Außen wirklich wertschätzen zu können.

Auf der Suche nach Wertschätzung und Miteinander

Wertschätzung im Gesundheitswesen? Leider oft Fehlanzeige.

„Ich war über 25 Jahre im Gesundheitswesen tätig. Dort habe ich etliche Veränderungen begleitet. Mir war es immer wichtig, in einem Unternehmen zu arbeiten, das als oberstes Ziel nicht nur den Profit hat, sondern gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Leider hat sich die Branche im Laufe der Jahre stark gewandelt, und auch die Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete, veränderten sich entsprechend. Ich versuchte es mit unterschiedlichen Arbeitgebern, doch es war immer dasselbe: Am Anfang ein paar gute Jahre, danach kühlte das Unternehmensklima ab. Wertschätzung? Zunehmend eine Seltenheit. (gewohnte Welt)

Während der Coronapandemie nahm der Druck weiter zu, nicht nur durch die Arbeit, sondern auch meinen „Nebenjob“ als Homeschooling-Teacher. In dieser Zeit gab es so viele Gesetze und Verordnungen, die wir von heute auf morgen umsetzen mussten. Ich war immer mit Leib und Seele dabei. Und doch wurde es immer mehr Arbeit bei gleichzeitig abnehmender Wertschätzung.

Ständige Vorgesetztenwechsel belasteten meine Abteilung zusätzlich, zumal diese neuen Führungskräfte unsere bisherige Arbeit eher geringschätzig bewerteten und hauptsächlich zusätzliche Aufgaben verteilten. Alle standen unter dem permanenten Druck, sich beweisen zu müssen, und gaben diesen Druck ungehindert an die Mitarbeitenden weiter. Zeit für ein gegenseitiges Kennenlernen und aufeinander Eingehen wurde vernachlässigt, so dass viele geschätzte Kollegen von alleine gingen oder auch gegangen wurden.

Ein Branchenwechsel bringt trotzdem nicht die gewünschte Veränderung

In dieser Zeit traf ich eine Entscheidung: ein neuer Job. Raus aus der Branche. Etwas ganz anderes. Nur an einer Prämisse hielt ich fest: kein profitorientiertes Unternehmen. Sondern eines, bei dem Wertschätzung und ein achtsames Miteinander an erster Stelle standen. Den Rest überließ ich dem Schicksal. Viele Bewerbungen schrieb ich nicht. Trotzdem fand ich schnell eine neue Stelle und fing voller Tatendrang dort an.

Damit hätte meine Heldenreise eigentlich beendet sein sollen. Doch es kam anders. Bereits nach wenigen Wochen spürte ich denselben Druck. Die neue Unternehmenskultur fühlte sich für mich so fremd an. Ich besaß überhaupt kein Hintergrundwissen in der neuen Branche – und dieses Gefühl ließ sich nur schwer aushalten. Erste Zweifel kamen in mir auf: Dann hatte mein Druck also nicht allein am alten Job gelegen. Ein Teil des Problems war ich selbst. Hatte ich mit dem Wechsel die richtige Entscheidung getroffen? Oder sollte ich den Rückweg in die meine vertraute, wenn auch stressige Gesundheitsbrache antreten? Für diese Reflexion holte ich mir professionelle Hilfe. Das war der eigentliche Beginn meiner Heldenreise. (Ruf zum Abenteuer)

Erste Erkenntnis: Ich bin ein Teil des Problems. Und ein Teil der Lösung.

Das Erarbeiten meiner inneren Teammitglieder war für mich eine der wichtigsten Stationen überhaupt. Ich lernte unglaublich viel über mich selbst und meine inneren „Kollegen“. Wer waren sie? Welcher unter ihnen konnte der neuen Situation was abgewinnen und wollte bleiben? Wer wollte wieder zurück in die alte Welt? Und warum?

Meine Coachin animierte mich, mir diese Teammitglieder auch körperlich vorzustellen. Waren sie männlich oder weiblich? Welche Kleidung trugen sie? Wie alt waren sie? Welche Dinge trugen sie bei sich? Was für Namen wollte ich ihnen geben? Und welche Bedürfnisse spiegelten sie wider?

Um es plastisch zu machen: Einige Teammitglieder spiegelten mein berufliches Ich wider. Darunter auch die „Controllerin“. Sie trug zu diesem Zeitpunkt in meiner Vorstellung noch Anzug und Bluse (auch wenn ich mich beruflich selten so gekleidet habe), hatte einen Laptop dabei, gab sich sachlich und professionell und legte Wert auf die neuste Ausstattung in Hard- und Software. Die Controllerin hatte viel Wissen in der Gesundheitsbranche aufgebaut und hätte den neuen Job sofort gegen den alten eingetauscht. Ihr gefiel es gar nicht, kein Hintergrundwissen zu haben, denn sie wollte natürlich gute Arbeit abliefern. In der neuen Branche war sie verunsichert und überhaupt nicht zufrieden. (Weigerung)

Alte oder neue Welt: Wer gewinnt den Wettbewerb?

Eine Balance zwischen strenger Professionalität und menschlichen Bedürfnissen finden

Mit den Teammitgliedern und dem Ruf im Gepäck machte ich mich auf den Weg. Hinter jedem Teammitglied steht ein Bedürfnis. Doch wie konnte ich die unterschiedlichen Wünsche meines inneren Teams berücksichtigen und dabei zugleich meinem Ruf folgen?

Meine Controllerin forderte Souveränität und klare Verhältnisse. Leider ist sie auch der Typ, der in einem Meeting nur dann den Mund aufmacht, wenn sie 150 Prozent Bescheid weiß. Und wer kann das schon leisten? Genauso wenig mag die Controllerin unsachliche Verhaltensweisen. Sie ist der Meinung, dass Gefühle und Bedürfnisse im Beruf nichts verloren haben.

Aber einige andere Teammitglieder widersetzten sich: Sie forderten meine Gefühle ein und wollten mehr Raum – auch in meinem beruflichen Umfeld. Wieder andere wünschten sich mehr Zeit für Hobbys. Für diese Entschleunigung und mehr Freiräume im Leben hatte ich schließlich auch die Branche gewechselt.

Genau diese Balance war es, die ich mir zum Ziel setzte: ein Ausgleich zwischen der strengen Professionalität und menschlichen Bedürfnissen im beruflichen Kontext. Weg von einer eher binären Herangehensweise und hin zu mehr Flexibilität, um Raum für beide Welten zu schaffen. (Ziele)

Die Vorteile beider Welten begreifen und für sich nutzen

Wie war meine alte Welt? Was konnte ich von dort mitnehmen? Was bot die neue Welt? Schritt für Schritt erarbeitete ich mir die Kriterien, die ich brauchte, um mein Zeil von einer guten Balance umsetzen zu können. Ich verglich meine Erfahrungen und die Vorteile beider Welten, um herauszufinden, wie eine Umgebung beschaffen sein sollte, in der ich mich entwickeln und glänzen konnte. Mit anderen Worten: Welcher Führungsstil tat mir gut? Wo konnte ich mehr aus mir herausholen und welcher Umgang hemmte mich? Bei unfairer Kritik zog ich mich schnell zurück. Um zu wachsen, brauchte ich eine kooperative Atmosphäre anstelle von toxischem Wettbewerb, zugleich Reibungsflächen für eine konstruktive Auseinandersetzung statt einer weichen Wattewelt. Wie konnte ich diese Umgebung an meinem neuen Arbeitsplatz für mich finden und gestalten? (Aufgaben und Herausforderungen)

Die Riege der Wegbegleiter*innen

Zu den Weggefährten fallen mir natürlich schnell meine Freunde ein. Unterstützung finde ich auch immer bei meinem Mann. Und bei genauerem Hinsehen kommen mir dann doch auch viele Kollegen und Chefs in den Sinn. Menschen, die ihr Wissen mit mir geteilt haben. Menschen, die mich wohlwollend vor Herausforderungen gestellt und mir Wertschätzung gezeigt haben. Manche dieser Kollegen habe ich sogar in mein Privatleben mitnehmen können. Andere wiederum musste ich ziehen lassen.

In meiner alten Welt wurden die wohlwollenden Kontakte leider immer weniger. Auch das war im Nachhinein ein guter Grund zu gehen. Immer mehr tauchte ein Typus auf, den ich gar nicht mag: Menschen, die versuchen mich klein zu halten, die mich belehren, wie ich die Welt zu sehen habe oder mir subtil einreden, dass meine Bedürfnisse unangemessen sind.

Gestaltwandler waren in meinem Leben ganz selten vertreten: Menschen, die ich nur schwer einschätzen konnte. Zu denen ich mich eigentlich hingezogen fühlte, und denen ich trotzdem nicht vorbehaltlos vertrauen wollte, weil mich unterschwellig etwas an ihnen irritierte.
Die Mentoren in meinem Leben sind Menschen, die ich bewundere. Die auf leise, aber solide Art ihre Meinungen und Bedürfnisse vertreten können, ohne andere zu verletzen. Die zu ihren Schwächen stehen, auch wenn diese nicht gesellschaftsfähig sind. Mentoren sind für mich auch jene, die mir im Leben geholfen haben zu wachsen. (Wegbegleiter*innen)

Erkennen, was wirklich zählt

Das Neue genießen und zugleich achtsam verändern

Durch die ersten Stationen der Held*innenreise konnte ich endlich das Potential meiner neuen Welt erkennen. Trotzdem haderte ich oft noch mit der veralteten Technik, den sperrigen Strukturen und trägen Entscheidungsprozessen. Ich hatte mich zwar fürs Bleiben entschieden, trotzdem wollte ich mich nicht mit allem abfinden.

Und so suchte und fand ich Möglichkeiten, wie ich einerseits die langjährige Erfahrung meiner Kollegen wertschätzen und andererseits meinen frischen Blick von außen ins System einbringen konnte. Die Neue zu sein, hat Vorteile: Fehltritte werden eher verziehen, weil man die Grenzen des Systems noch nicht kennt. So konnte ich kurze Lösungswege anstoßen, wo zuvor sperrige Work-Arounds zum Ziel führen mussten. Und so kam ich nach und nach, beinahe ohne es zu merken, in meiner neuen Welt an.

Es war eine Welt, die ich immer mehr zu schätzen lernte, weil hier echte Menschlichkeit und achtsames Miteinander gelebt wurden. Und ich erkannte schließlich, dass ich dieser Welt eine echte Chance geben musste – was nur dann gelingen konnte, wenn meine kritischen inneren Anteile, die der alten Welt immer noch nachtrauerten, ihren Frieden mit meiner Entscheidung machen konnten. (tiefe Erkenntnis)

Die alte Welt will es nochmal wissen: Ein Hammerangebot als Zerreißprobe

Noch während des Coachingprozesses bekam ich ein Hammerangebot aus der alten Welt. Es harmonierte zwischenmenschlich. Das Gehalt war super. Ich kannte die Branche bis ins Detail und hätte sofort durchstarten und glänzen können. Und das Sahnehäubchen: Der potentielle Arbeitgeber war so progressiv, dass er mir einen sehr hohen Homeofficeanteil zusicherte, so dass ich nicht umziehen musste. Denn das kam für mich aufgrund meiner familiären Situation nicht infrage.

Mit diesem Angebot auf dem Tisch fühlte ich mich wahrsten Sinn innerlich zerrissen. Meine Controllerin wollte sofort und sehr laut wieder zurück. Trotzdem zögerte ich. Wenn alles so super war, warum konnte ich dann nicht einfach zusagen? Die Frage koste mich mehrere Stunden Schlaf. Pro-Contra-Listen halfen mir nicht weiter. Ein Nottermin bei meiner Coachin und eine kleine, gezielte Körperübung brachten die nötige Klarheit. Mein Körper sagte mir: Ich hatte längst gewählt. Und so sagte ich das Angebot ab und blieb. (Zerreißprobe)

Vor allem dann, wenn außen schon eine Antwort erwartet wird und innen noch verschiedene Stimmen durcheinanderreden. Genau in solchen Momenten sagen wir manchmal schneller Ja, als wir überhaupt bei uns selbst angekommen sind.

Für diesen kleinen Zwischenraum habe ich „Sag nicht sofort Ja“ entwickelt: 20 Erste-Hilfe-Sätze, mit denen du dir Zeit verschaffen, dich sortieren und erst danach entscheiden kannst, was für dich wirklich stimmt.

Gegenmaßnahmen zu Perfektionismus und Schwarzweißsehen: Ein trotziger Zwerg, der Stroh zu Gold spinnen kann

Hohe Ansprüche an mich selbst lassen mich gefühlt oft scheitern: Mit meinem perfektionistischen Schwarzweißsehen werte ich meine eigene Leistung vorschnell ab und schaue nicht differenziert genug auf das, was schon alles geklappt hat. Wenn ich es schaffe, öfter objektiv zu bleiben, fällt meine Erfolgsbilanz deutlich besser aus.
Eine so negativen Selbsteinschätzung wäre eigentlich ein guter Grund, erst gar nicht anzufangen. Doch zum Glück habe ich als Gegengewicht eine beharrliche Natur. „Geht nicht, gibt’s nicht“, hat mein Vater immer zu mir gesagt. Ein Glaubenssatz, der mich bis heute prägt. Außerdem ist eine meiner wichtigsten Stärken, dass ich mir in potenziellen „Scheiter-Situationen“ Hilfe hole: Ich lese Bücher, frage Freunde und nehme im Härtefall auch professionelle Hilfe in Anspruch. (Scheitern)

Ich hatte schon etliche Katastrophen hinter mir, bevor ich meine Heldenreise begann. Verluste von geliebten Menschen, heftige Auseinandersetzungen mit geschätzten Freunden, schwierige berufliche Phasen mit hohem Druck und sogar eine psychische Erkrankung hatte ich bereits erfolgreich hinter mir gelassen. Und auch wenn ich gut und gerne auf einiges verzichtet hätte, so haben mich viele dieser Erlebnisse doch erst wachsen lassen.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser vielen Herausforderungen bin ich der festen Überzeugung, dass alles einen Sinn hat. Ich kann nicht genau sagen, ob es ein Urvertrauen in mir ist oder ob es ein trotziges Teammitglied gibt, das unbedingt das Positive an der Sache sehen will. Vielleicht ein kleiner Zwerg, der Stroh zu Gold spinnen kann? Da denke ich nochmal drüber nach. Ein Teil in mir kann sich jedenfalls nicht damit abfinden, dass all die Mühe und die Schmerzen einer Katastrophenerfahrung einfach nur eine Laune des Schicksals sein sollen.
Und so habe ich auch die Zeit des Lebens zwischen zwei Welten ohne große Katastrophe überstanden. (Katastrophe)

Ankommen in der eigenen Sicherheit

Vom Geigenspiel lernen

Mit dem Jobwechsel hatte ich mir ein neues Hobby zugelegt. Ich lernte Geige. Dieses Instrument ist für Menschen wie mich, die einen ausgeprägten Sinn zum Erbsenzählen haben, ideal. Die Geige ist sehr feinstimmig und reagiert auf alles. Angespannte Muskulatur, mangelnde Konzentration, ungeschickte Griffe, unsichere Haltung – egal was, das Feedback kommt sofort und die Geige reagiert verstimmt. Die Rückmeldungen meines Instruments helfen mir dabei, während des Spielens bewusst auf innere Gelassenheit zu achten, die meinen Muskeltonus zu regulieren oder eine kurze achtsame Entspannungsphase einzulegen, wenn ich mal wieder zu verbissen übte.

All diese Fähigkeiten nahm ich mit in meinen beruflichen Transformationsprozess. Zuerst achtete ich bei kleineren Teammeeting auf innere Gelassenheit. Ich suchte mir passende Erinnerungshilfen – einen Schlüsselanhänger in Form einer Geige, einen Tee, dessen Verpackung das passendes Motiv hatte – und betrachtete diese kurz vor einem wichtigen Gespräch. In der Nachbereitung arbeitete ich daran, mein altes schwarzweißes Bewertungsmuster aufzubrechen und mich auch an kleinen Erfolgen freuen.
Im Lauf der nächsten Monate änderte mein Controllerin ihr Äußeres. Sie trug keinen Anzug mehr, sondern Jeans, Bluse und Ballerinas. Sie wurde lässiger, entspannter und lächelte sogar, was ihrer Kompetenz und ihrem Engagement kein bisschen schadete. (Reifung & Transformation)

Sich beruflich behaupten und Anerkennung gewinnen

Ich mag keine Angeber. Menschen mit wenig Kompetenz, die prahlerisch auftreten und zugleich andere mehr oder weniger subtil abwerten. Führungskräfte, die mir nicht ins Gesicht sehen oder nur das Allernötigste mit mir besprechen. Unerfahrene Chefs, die den hohen Druck nicht aushalten und ihn ungefiltert an ihre Mitarbeiter weitergeben.

In einem Unternehmen sollen Führungskräfte dafür sorgen, dass die Arbeit erledigt wird. Bei den meisten, die ich erlebt habe, reicht leider der eigene Beitrag über Organisieren, Entscheiden und Delegieren nicht hinaus. Doch gute Führung ist für mich viel mehr: Jemand geht voraus und vertraut darauf, dass die Menschen ihm folgen werden. Dafür braucht es Menschenkenntnis, Empathie, Fingerspitzengefühl, gerechtes Verteilen von Aufmerksamkeit und soziales Geschick. Wer mit seinem Führungsstil dafür sorgt, dass Mitarbeiter sich unwohl fühlen, sich zurücknehmen, demotiviert werden oder gar Angst haben, darf als inkompetent bezeichnet werden. Erstaunlich, dass gerade diese Art von Führungskraft ganz oft ihren Mitarbeitern das Gefühl vermittelt, sie seien unfähig.

Durch das Coaching konnte ich entscheidende Situationen herausarbeiten, in denen ich mich früher schwergetan hatte, Personen identifizieren, die mich verunsicherten, und bewusst analysieren, welche meiner Teammitglieder in diesen Situationen an die Kontaktlinie gingen. Wenn ein Großmaul auftrat, auch wenn es noch so inkompetent war, wurde ich unsicher. Dann übernahm ein sehr „früh geborenes“ Teammitglied die Führung, das für meinen beruflichen Kontext keine Expertise hatte, sich aber schnell zu Wort meldete, wenn es sich angegriffen fühlte. An dessen Stelle hätte eigentlich die Controllerin agieren sollen. Und so entwickelte ich eine kleine Zauberformel für mich: „Wenn ein Großmaul auftritt und ich mich unsicher fühle, dann erlaube ich dem Blumenkind in den Garten zu gehen und hole meine Controllerin an die Front.“

Mit der Controllerin an der Kontaktlinie nahm ich mir zunehmend mehr Raum. Und dadurch wiederum machte ich es anderen leichter, meine Expertise und Erfahrung nicht nur im Zweiergespräch, sondern auch in der Konfrontation von größeren Meetings zu erleben. In der Folge bekam ich immer mehr Anfragen aus dem Team, auch in schwierigen Verhandlungen mit anderen Abteilungen eine tragende Rolle zu übernehmen. (entscheidende Prüfung)

Erfolge genießen können

In der Vergangenheit war es oft so, dass ich mir meiner Erfolge nicht bewusst war oder sie in übertriebener Bescheidenheit als selbstverständliche Kleinigkeiten abwiegelte. Ich musste mir also erst einmal die Frage stellen, woran ich Erfolge überhaupt erkenne. Als erstes fiel mir die Geburt meines Kindes ein: Kaum ein anderes Ereignis hat mein Leben so sehr geprägt wie dieses. Von diesem hohen Niveau aus fielen mir dann doch noch mehrere Höhepunkte ein: der Abschluss meiner Diplomarbeit, einige Zusagen für Jobs, die ich unbedingt hatte haben wollen, diverse berufliche Erfolge. Die Gefühle, die ich bei diesen Erlebnissen hatte, dienten mir jetzt als Hinweise auf der Suche nach jüngeren Erfolgen. Auf diese Weise fiel mir plötzlich auf, dass ich auch in der neuen Welt bereits wieder Kompetenzen erworben hatte.

Beruflich kann ich mit meiner Expertise einen Zugewinn für mein neues Unternehmen schaffen und bin dadurch auch selbst stolz auf mich. Diesen Stolz kann ich heute genießen, ohne dass ich das Gefühl habe, mir etwas zu nehmen, was mir nicht zusteht. Wenn ich merke, dass ich aus dem Gleichgewicht gerate, schaue ich genauer hin. Noch heute kann ich meine Teammitglieder, wenn sie auftauchen, gut identifizieren und weiß, welches Bedürfnis sie vertreten. (Höhepunkt & Belohnung)

Der Ripple-Effekt fürs Privatleben

Mittlerweile bin ich schon eine ganze Weile in meinem – nicht mehr ganz so – neuen Job. Auch wenn das erste Jahr mich teilweise sehr an meine eigenen Grenzen gebracht hat und ich lange mit meiner Entscheidung gerungen habe: Ich konnte eine Menge an Erkenntnissen und wichtigen Informationen dazugewinnen. Nicht nur beruflich, sondern auch über mich selbst. Diese neu erworbenen Fähigkeiten im Zusammenspiel mit den bereits vorhandenen haben ungeahnte Synergien in sämtlichen Lebensbereichen hervorgebracht.

Das Coaching war zwar auf meine berufliche Situation ausgerichtet, aber es wirkt auch im Privatleben. Durch das Arbeiten mit dem inneren Team habe ich gelernt, mir neue Teammitglieder genauer anzusehen. Wer ist denn da nicht zufrieden und was für ein Bedürfnis steckt dahinter? In unregelmäßigen Abständen überprüfe ich meine innere Haltung und justiere nach, damit ich nicht verlerne, wie das geht. Und meine Zauberformel darf ich auch nicht vergessen.

Manchmal fragen immer noch Headhunter an, mit der Möglichkeit, in die alte Welt zurückzukehren. Aber derzeit bietet mir meine neue Welt so viele Chancen, dass ich mir kaum Zeit nehme, diese Einladungen genauer anzuhören. (neues Selbst)“

Das Geschenk von Constanzes Held*innenreise

Bei Constanzes Geschichte fällt mir ein Satz aus dem Märchen von den Bremer Stadtmusikanten ein: „Etwas Besseres als hier findest du überall.“ So wie die Tiere im Märchen war auch Constanze auf der Suche: nach einem Unternehmen, das für sie mehr sein konnte als ein Arbeitsplatz zum Geldverdienen, in dem es um Miteinander und Wertschätzung ging. Doch anders als im Märchen war es mit einem äußeren Wechsel nicht getan. Sie musste sich auch innerlich neu sortieren und zulassen, dass sie das Gold des neuen Unternehmens für sich entdecken und nutzen konnte.

Wie oft erwarten wir, dass alles besser wird, wenn sich nur die Umstände ändern. Aber damit machen wir uns abhängig von anderen. Constanzes Held*innenreise macht deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns nicht auf äußere Lösungen verlassen. Echte Veränderung beginnt im Inneren. Constanzes beste Erkenntnis war: „Es liegt nicht nur am Job; ich bin ein Teil des Problems.“ Mit diesem ehrlichen und mutigen Blick auf ihre Eigenverantwortung wurde sie ein entscheidender Teil der Lösung. Nur wenn wir einer neuen Situation – sei sie nun selbstgewählt oder von anderen herbeigeführt – offen begegnen und uns auf die Veränderung einlassen, können wir ihr auch eine ehrliche Chance geben.

Wenn du dir die Held*innenreise zuerst noch einmal im Überblick anschauen möchtest, findest du hier den passenden Blogpost.

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