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Woman Warrior © nemke via Canva.com
Held*innenreise Henrike (46): Zuversicht üben
Was tust du, wenn alte Muster dir erzählen, dass draußen vor der Tür Gefahren auf dich lauern, denen du auf keinen Fall gewachsen sein wirst? Henrike hat gelernt, zwischen hilfreichen Warnungen und der irrationalen Angst vor Katastrophen zu unterscheiden – eine Fähigkeit, die ihr hilft, die Veränderungen anzustoßen, die sie sich wünscht.
Zwei aktuelle Felder mit viel Veränderungsbewegung
Ich bin Altenpflegerin – und Tochter eines Vaters, der im Sterben liegt
„Wenn ich an das Thema Veränderung denke, dann fällt mir als erstes ein, dass ich schon oft Glaubenssätze über Bord geschmissen habe, wenn sie nicht mehr zur Realität passen. Trotzdem fällt mir das schwer, wenn meine Identität daran hängt.
Momentan habe ich zwei Felder, die mich in Bezug auf Veränderung beschäftigen. Das eine ist die Beziehung zu meinem Vater, der im Sterben liegt. Ich begegne ihm in meiner Profession als Altenpflegerin, mehr als in meiner Rolle als Tochter. Daran merke ich, dass ich keine Themen aus meiner Kindheit mehr klären oder ihm vergeben muss, was er an mir versäumt hat.
Meine fachliche Kompetenz ist in den letzten Jahren enorm gewachsen
Bei dem zweiten Thema geht es um meine berufliche Weiterentwicklung. Ich arbeite seit sechs Jahren als examinierte Altenpflegerin und sehr kompetent in meinem Beruf. Die Interaktion mit den Patienten ist Teil meiner Identität. Über meine fachliche Kompetenz bin ich auch in Leitungsaufgaben hineingewachsen. Meine Kompetenz wird anerkannt, auch ohne Vorgesetztenfunktion. Gleichzeitig fühle ich oft eine große Frustration über die Begrenzungen des Pflegesystems und auch die fehlende Klarheit meiner Vorgesetzten. (gewohnte Welt)
Alte Lektionen lassen sich nicht einfach abstreifen
Ich möchte mich weiterentwickeln
Ich möchte beruflich mein Potenzial nutzen und mich weiterentwickeln. Doch noch ich bin mir nicht sicher, was der richtige Weg ist. (Ruf)
Meine derzeitige Aufgabe gefällt mir, und ich will sie durch eine berufliche Veränderung nur ungern verlieren. Ich mag auch das Organisatorische, aber ich bin mir nicht sicher, ob mir das reicht. Meine Horrorvision wäre es, den ganzen Tag in Meetings zu sitzen. Trotzdem glaube ich, dass mein Zurückscheuen vor großen Veränderungen auch noch eine tiefere Ursache hat. (Weigerung)
Die heimliche Botschaft meiner Eltern: Egal wie viel du dich mühst, es ist nie genug
Mein Vater (und in der Vergangenheit auch meine Mutter) sind sehr angstbesetzte Menschen. Sie haben mir zwar immer gesagt, dass Kompetenz dich im Leben weiterbringt, und wollten mir auch vermitteln, dass ich alles erreichen kann. Doch ihre Worte passten nicht zu ihren Taten, weil sie tief im Innersten nicht daran geglaubt haben. Unterbewusst haben sie mir immer zu verstehen gegeben: Egal wie viel du kannst und dich anstrengst, es ist nie genug.
Von meinen Eltern habe ich die Angst mitbekommen, dass trotz aller Anstrengungen die Katastrophe eintreten wird. Ich muss immer Angst vor der Katastrophe haben. Obwohl ich immer gut mit Veränderungen klargekommen bin, die mir das Leben vor die Füße geworfen hat, zögere ich daher, große Veränderungen selbst einzuleiten. (Feinde)
Aus der Fülle heraus mein Potenzial entfalten
Ich bin heute nicht mehr das abhängige Kind, das unbedingt seine Eltern retten wollte
Auch wenn ich nie an der Liebe meiner Eltern gezweifelt habe, hatte ich im Zusammenleben mit ihnen nie die Sicherheit, dass sie mit sich selbst klarkommen. Als Kind habe ich nicht nur auf meinen Vater und seine alkoholbedingten Ausfällen aufgepasst, sondern auch auf meine co-abhängige Mutter und meine jüngere Schwester. Auch wenn meine Mutter mittlerweile sehr selbständig geworden ist, wird mein Fürsorge-Muster durch den Sterbeprozess meines Vaters gerade wieder aktiviert, und es kommen alte Gefühle hoch.
Doch ich bin mir bewusst, dass ich nicht mehr das abhängige Kind bin, das sich kaputtmachen musste, um seine Eltern zu retten. Heute bin ich eine Erwachsene, die selbst festlegt, wie weit ich helfe und wo nicht. (tiefe Erkenntnis)
Ich nehme mir Zeit, mich beruflich in Ruhe weiterzuentwickeln und meine Vision reifen zu lassen
So habe ich im Hinblick auf mein berufliches Weiterkommen schon einige Schritte unternommen. Ich bilde mich weiter und übernehme neue Aufgaben, um mein Kompetenzprofil auszuweiten und klarer zu sehen, welche Möglichkeiten sich für mich ergeben könnten. (Ziel)
Eine deutliche Vision fehlt mir noch, aber ich merke auch, dass ich dafür momentan noch nicht die Kraft habe. Erst will ich meinen Vater bis zum Ende begleiten. Ich möchte meine Schritte so wählen, dass es für mich passt, dass ich klare Entscheidungen treffe, wofür ich gerade meine Ressourcen einsetze. Ich bin erst in diesem Jahr an den Punkt gekommen, dass ich mir zutraue, auch in einem neuen Arbeitsumfeld gut klarzukommen. Dabei hat mir das Übernehmen von Aufgaben geholfen. Derzeit fülle ich weiter meine Toolbox und lerne, was ich brauche. Ich bin gut als Raupe unterwegs. (Aufgaben und Hindernisse)
Die Balance zwischen Reifungsprozessen und Verbindlichkeit finden
Bedauern, etwas nicht probiert zu haben – das möchte ich nicht erleben
Das Muster meiner Eltern könnte mir gefährlich werden, wenn ich mich zu lange mit der Vorbereitung auf einen beruflichen Wechsel aufhalte. Ich muss aufpassen, dass ich nicht im Lernen steckenbleibe und mich mit Weiterbildung ablenke. Deswegen muss ich klar festlegen, wie viel Zeit ich mir für die Phase der Kompetenzentwicklung erlaube, was ich bis dahin können will und wie ich zu meiner Vision komme. Ich will nicht, wie damals am Ende meines Studiums, vor lauter Ziellosigkeit einen Burnout erleben. (Scheitern)
Noch darf meine Vision reifen. Ich bin momentan in der besten Verfassung meines Lebens, körperlich fitter als vor 5 oder auch 10 Jahren. Damit habe ich die Option, meinen Job, der mir emotional viel gibt, noch eine ganze Weile zu machen. Ich kann aus der Fülle heraus entscheiden, wie ich mein Potenzial erfüllen möchte. Ich will am Ende meines Weges nicht sagen müssen: Ich habe nicht alles ausprobiert oder es einfach nur laufen lassen und keine bewussten Entscheidungen getroffen. Denn aus meinen Begegnungen mit meinen Patient*innen weiß ich: Solches Bedauern nagt am Ende an den Menschen. (Katastrophe)
Mit klaren und verbindlichen Entscheidungen gestalte ich meinen Weg
Ich weiß, dass ich in meiner Vergangenheit einige destruktive Entscheidungen getroffen habe, aber ich bin mir deswegen nicht mehr böse. Weil ich weiß, dass ich jedes Mal mit vollem Herzen dahintergestanden habe. Und weil es besser ist, eine bewusste Entscheidung zu treffen, als sich passiv treiben zu lassen. Zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge so gelaufen sind, wie sie sind, fällt mir relativ leicht. Die Kontrolle über die Zukunft abzugeben, fällt mir dagegen eher schwer. Aber vielleicht ist das genau ein Teil meiner Transformation: Was muss ich noch an Glaubenssätzen zurücklassen, damit ich in eine andere Form von Zuversicht kommen kann? (Transformation)“
Das Geschenk von Henrikes Held*innenreise
Auch Henrikes Held*innenreise ist in Bezug auf die einzelnen Stationen etwas „durcheinander“. Nicht jede Life-Story lässt sich gleichzeitig gut erzählen und in ein Modell pressen. Aber auch „durcheinander“ können wir die einzelnen Stationen in ihrem Wesenskern erfassen und verstehen – und das ist die Hauptsache.
Veränderungsbereitschaft und Zuversicht sind nicht dasselbe. Henrike hat in ihrem Leben bereits einige Veränderungen hinter sich gebracht. Nicht alle davon waren freiwillig. Sie kommt zu dem Schluss, dass ihr aktive Veränderungen deutlich leichter fallen, wenn sie alte Glaubenssätze ablegen kann, die ihr einreden wollen, dass sie der Herausforderung nicht gewachsen sein könnte. Denn das zeigt ihre Erfahrung: Sie wächst mit jeder Held*innenreise – und sie kann sich auf sich selbst verlassen.
Wir alle haben solche Muster, die uns am Aufbruch hindern wollen. Es lohnt sich, genauer hinzusehen und zwischen hilfreichen Warnungen und der Angst vor Katastrophen zu unterscheiden.
Du möchtest mehr Infos zur Held*innenreise?
Wenn du dir die Held*innenreise zuerst noch einmal im Überblick anschauen möchtest, findest du hier den passenden Blogpost.
Mehr erfährst du in meinem Ratgeber: Darin zeige ich dir, wie du nach den 15 Stationen der Held*innenreise deine persönliche und berufliche Vision entwickelst – für ein Leben mit mehr Eigen-Sinn.