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The Shire © Simone Gouman von Getty Images via Canva.com
Frodo Beutlin – Die Welt für andere retten
Ein friedliebender Hobbit übernimmt freiwillig die Aufgabe, die Welt zu retten. Auf seinem Weg wird er immer mehr von der Macht der Dunkelheit gezeichnet, doch seine Entschlossenheit und die Unterstützung treuer Gefährt*innen helfen ihm, diese scheinbar unüberwindbare Aufgabe zu vollenden. Auch wenn Frodo Beutlin letztendlich sein Ziel erreicht: Am Ende erkennt er, dass er sich durch seine Reise tiefgreifend verändert hat und nicht mehr in die Welt zurückkehren kann, die er gerettet hat.
In meiner Darstellung beziehe ich mich auf die Herr der Ringe Film-Trilogie*.
Ein friedlicher Hobbit, der seine Ruhe will
Frodo Beutlin lebt bei seinem Onkel Bilbo im Auenland. Die Hobbits genießen ihr Leben und kümmern sich nicht darum, was im Rest von Mittelerde vor sich geht. Doch ein wichtiges Ereignis wird vorbereitet: Bilbos 111. Geburtstag steht bevor. (Gewohnte Welt)
Am Abend seiner Geburtstagsfeier tritt Bilbo überraschend seine lang herbeigesehnte Reise zu den Elfen an. Zuvor vermacht er sein Zuhause und seinen gesamten Besitz an Frodo. Dieser bleibt verwirrt zurück. Nur wenig später klopft der Zauberer Gandalf an Frodos Tür und warnt ihn: Ein magischer Ring, den Frodo von Bilbo geerbt hat, ist in Gefahr. Der Zauberer Sauron, der den Ring einst schuf, möchte ihn wieder in seinen Besitz bringen, um alle Völker Mittelerdes zu unterwerfen. Im Auenland ist der Ring nicht mehr sicher, denn Saurons Helfer suchen bereits danach. (Ruf zum Abenteuer)
Frodo möchte Saurons Ring am liebsten ganz tief in einer Truhe vergraben und nie mehr davon sprechen. Oder könnte nicht Gandalf sich des Rings annehmen und ihn weit fortbringen? (Weigerung)
Aus einer kurzen Reise zu den Elben wird ein Gewaltmarsch durch Kriegsgebiete
Doch Gandalf kann den Ring nicht annehmen, aus Sorge, seiner Macht zu verfallen. So macht Frodo sich zusammen mit Sam, seinem Gärtner und Freund, auf den Weg: Er will Saurons Ring aus dem Auenland bis zu den Elben nach Bruchtal bringen. (Ziel)
Zwei weitere Hobbit-Freunde schließen sich ihm an: Merry und Pippin. Unterwegs werden sie von Dienern des Zauberers Saurons angegriffen, erhalten allerdings auch Hilfe durch einen Waldläufer namens Streicher. (erste Weggefährt*innen)
Endlich kommen Frodo und seine Freunde in Bruchtal bei den Elben an. Hier stellt sich heraus, dass der eher wortkarge und undurchsichtige Streicher in Wahrheit Aragorn heißt und der letzte Erbe des alten Königsgeschlechts ist. Zuerst hofft Frodo, dass seine Aufgabe abgeschlossen ist und er wieder nach Hause ins Auenland zurückkehren kann (eine weitere Weigerung). Doch als Abgesandte der anderen Völker eintreffen, die alle an Saurons magischem Ring interessiert sind, versteht er, dass der Ring selbst in Bruchtal nicht sicher ist. Über kurz oder lang würde jeder der Macht des Rings erliegen und versuchen, das Artefakt in seine Gewalt zu bringen.
Frodo verpflichtet sich daher, den Ring zum Schicksalsberg in Mordor zu bringen: In diesem Vulkan brennt das einzige Feuer, das den Ring zerstören kann. Eine Gemeinschaft von acht Gefährten begleitet ihn: seine drei Hobbit-Freunde Sam, Merry und Pippin, der Zauberer Gandalf, die beiden Menschen Aragorn und Boromir sowie der Elb Legolas und der Zwerg Gimli. (ein neues Ziel und weitere Weggefährt*innen)
Die Gemeinschaft um Frodo muss verschiedene Herausforderungen bestehen: Gandalf fällt im Kampf mit einem Feuerdämon in den Höhlen von Moria. Die verbliebenen Gefährten suchen Zuflucht im Elbenreich Lórien und werden von der Elbenfürstin Galadriel mit Geschenken für die weitere Fahrt ausgestattet. Wenig später erliegt Boromir der Verführungskraft des Rings und greift Frodo an, um den Ring an sich zu nehmen. Frodo kann entkommen und beschließt, allein weiterzureisen. In letzter Minute schließt Sam sich ihm an.
Währenddessen werden die übrigen Gefährten von einer Gruppe Orks angegriffen. Diese töten Boromir und verschleppen die Hobbits Merry und Pippin. Aragorn, Legolas und Gimli kommen zu spät und nehmen die Verfolgung der Orks auf, um Merry und Pippin zu befreien.
Damit endet der erste Film der Trilogie. Der gesamte zweite Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie und auch weite Teile des dritten Teils sind den Abenteuern gewidmet, die einerseits die versprengten Gefährten, andererseits Frodo und Sam auf ihrem Weg zum Schicksalsberg erleben. (Aufgaben & Hindernisse) Falls du die Filme noch nicht kennst – gibt es das? – und du neugierig geworden bist, dann schau sie dir gerne an. Um den Rahmen dieses Blog-Beitrags nicht zu sprengen, werde ich mich in meiner Zusammenfassung auf Frodos Heldenreise beschränken.
Sich mit der Dunkelheit verbinden und dem Tod ins Auge schauen
Auf ihrem Weg nach Mordor treffen Sam und Frodo auf ein verstörendes Wesen namens Gollum. Dieser ist dem Ring verfallen und verfolgt die Gefährten bereits seit den Höhlen von Moria. Frodo entscheidet, dass Gollum sie nach Mordor führen soll. Als Ringträger spürt er die zunehmende Anziehung und Last des Rings und fühlt ein wachsendes Verständnis für Gollum. Er erkennt, dass dieser ein ehemaliger Hobbit ist und nimmt die Ähnlichkeit zwischen ihm und Gollum wahr. Aus dieser Verbundenheit heraus nennt er Gollom sogar bei dessen ursprünglichen Namen: Smeagol. (Tiefe Erkenntnis)
Im Gegensatz dazu bleibt der sonst so freundliche Sam gegenüber Gollum misstrauisch und belegt ihn mit Schimpfnamen. Während Gollum die beiden Hobbits immer weiter in Richtung Mordor führt, ist Frodo zwischen seiner Freundschaft mit Sam und der wachsenden Verbindung mit Gollum hin und her gerissen. Auch Gollum fasst zögerlich Vertrauen zu Frodo und möchte wirklich dessen Helfer sein. Doch zugleich frisst die Macht des Rings an ihm und schickt ihm Fantasien, in denen er den Ring wieder in seine Hände bekommt. (Zerreißprobe)
Eine Zeit lang kann Frodo die Spannungen zwischen Sam und Gollum ausgleichen, doch allmählich verlagert er seine Treue von Sam auf Gollum. Letztlich ist die Kraft des Rings stärker: Gollum kann Sam und Frodo durch eine List entzweien. Frodo schickt Sam fort und zieht mit Gollum allein weiter. Dieser wiederum lockt Frodo in die Höhle einer Riesenspinne – er hofft, dass die Spinne Frodo töten wird und er anschließend den Ring wieder an sich nehmen kann. So scheitert Frodo schließlich an der zunehmenden Macht, die der Ring über ihn gewinnt, ebenso wie auch an seiner Entscheidung im Konflikt zwischen Sam und Gollum. (Scheitern)
Frodo wird von der Riesenspinne gestochen und gelähmt, dann nehmen Orks ihn gefangen. Im Streit um seine Habseligkeiten bringen sie sich gegenseitig um. Den letzten Ork überwältigt Sam, der zu Frodo zurückgekehrt ist. Die beiden Hobbits wandern mit letzter Kraft durch Mordor, bis sie schließlich am Schicksalsberg ankommen. Als Frodo dort den Ring ins Feuer des Vulkans werfen will, unterliegt er endgültig dessen Macht und erklärt: „Der Ring gehört mir.“ Gollum, der den Hobbits heimlich gefolgt ist, greift ihn an, beißt Frodos Finger ab und bringt den Ring in seinen Besitz. Im weiteren Kampf um den Ring stürzen Frodo und Gollum über den Kraterrand. Gollum stürzt mit dem Ring in der Hand in die Lava und geht darin unter. (Katastrophe)
Was es bedeutet, den Tod zu überleben
Frodo kann sich an der Kante des Kraters festhalten und wird von Sam gerettet, während der Ring allmählich in der Feuerglut des Vulkans zerstört wird. Als der Schicksalsberg ausbricht, flüchten sich Sam und Frodo auf einen Felsblock inmitten der Lavaströme. Dort warten sie hilflos auf den Tod. Frodo begreift, dass der Ring zerstört wurde: Seine Aufgabe ist erfüllt. Während er zugleich Verlust und Erleichterung fühlt, erinnert er sich endlich wieder an das Auenland und das glückliche Leben dort, das er als Ringträger komplett aus seinem Bewusstsein verloren hatte. Er sagt Sam, dass er froh ist, am Ende aller Dinge mit ihm zusammen zu sein, und beide trösten einander. (Reifung & Wandlung)
Frodo, der sich in der Abhängigkeit vom Ring verloren hat, blickt dem sicheren Tod entgegen. In dieser ausweglosen Situation fühlt er die Sehnsucht nach dem Guten in der Welt und findet – anders als Gollum – zu seiner Natur als Hobbit zurück. (entscheidende Prüfung)
Mithilfe der Adler kann Gandalf Sam und Frodo retten und in Sicherheit bringen. Saurons gesamte Armee ist durch den Untergang von Mordor vernichtet. Wenig später tritt Aragorn sein Erbe als König an und leitet eine Zeit des Friedens und der Zuversicht ein. (Belohnung)
Die Hobbits kehren in das Auenland zurück und nehmen dort ihr altes Leben wieder auf. Sam heiratet seine Rosie. Frodo schreibt eine Chronik der Ringkriege und vervollständigt damit das Buch seines Onkels Bilbo. (Rückweg)
Drei Jahre später hat Frodo sich trotz aller Versuche nicht vollständig von seinen Erlebnissen als Ringträger erholt. Als die letzten Elben zusammen mit Gandalf Mittelerde verlassen und in die Unsterblichkeit eingehen, dürfen Frodo und Bilbo sie begleiten. (neues Selbst)
Das Geschenk von Frodos Held*innenreise
Die Herr der Ringe-Trilogie erzählt davon, dass gerade diejenigen, die klein und unbedeutend scheinen, große Veränderungen bewirken können. Es ist eine Geschichte von Opferbereitschaft, aber auch von der Fähigkeit zusammenzuarbeiten und einander zu vertrauen – gerade dann, wenn die Kräfte in uns und um uns herum Flucht, Unterwerfung und Misstrauen nahelegen. Nahezu jede Figur in der Geschichte wird in Bezug auf Freundschaft und Treue sowie Widerstandsfähigkeit gegenüber Verführung durch den Ring geprüft.
Frodo ist ein Held, der eine übermächtige Verantwortung annimmt und an dieser fast zerbricht. Seine Entschlossenheit, durchzuhalten, bringt ihn bis an den Rand des Vulkans – doch der eigentliche Sieg gelingt nur durch eine lange zurückliegende gute Tat: Schutz und Gnade für Gollum, so dass dieser in seiner Verblendung die Zerstörung des Rings herbeiführt. Erst nachdem der Ring keine Macht mehr ausübt, kann Frodo das Gute, das er tief in seinem Herzen bewahrt hat, wieder in sich finden.
Doch die Nähe zur Dunkelheit ist wie ein Schmutzfleck, der sich nicht mehr abwaschen lässt. Frodo ist ein Held, der gebrochen bleibt und das Glück der geretteten Welt nicht mehr in vollen Zügen genießen kann. Während Sam „heil und ganz“ im Auenland eine Familie gründet, kann Frodos Heilung kann sich erst im nächsten Leben erfüllen.
Was davon können wir für unser eigenes Leben mitnehmen, selbst dann, wenn wir vor weniger großen Herausforderungen stehen? Ich glaube, dass der Gedanke Was kann ich schon bewirken? angesichts von Frodos Geschichte in den Hintergrund tritt. Der junge Hobbit hatte nie vor, ein Held zu sein oder die Welt zu retten. Und dennoch hat er genau das getan: durch Ausdauer, Freundschaft, und den Mut, Verantwortung zu tragen, selbst wenn die Aufgabe fast unmöglich erscheint.
Du möchtest gerne mehr erfahren?
Wenn du dir die Held*innenreise zuerst noch einmal im Überblick anschauen möchtest, findest du hier den passenden Blogpost.
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*Quellen für die Herr der Ringe Film-Trilogie
Drehbuch und Regie Peter Jackson
„Die Rückkehr des Königs“ (2003)
„Die Gefährten“ (2001)
„Die zwei Türme“ (2002)